metin celal

 

 
DAS DREISSIGSTE JAHR

ich frage immer
wieviele Lebensgeschichten ein Mensch hat
und welche ist die gelogene

jahrelang vergessend die warmen Gefühle
wie ist es an eine Stadt noch einmal zurückzudenken
die Rote des Meeres
die auf Pfaehlen gebauten Wege
unsere verschiedenen und doch gleichen Identitaeten

als die Stadt auf uns stürzt
mit all ihren Strassen und Gassen
als ihre Gewohnheiten einen schluckten
und die Namen der Gassen sich aenderten
wer glaubt da an die Magie
an Wasserdeutungen, an befristete Einlagen

natürlich glaube ich nur an mich selbst
dem unveraenderbaren aller Glauben
der Sprache der Gesten und Blicke
dem letzten der zehn Gebote
 
ich habe keine Lizenz betreffend der Öffentlichkeit
meine Arme sind hinter meinem Rücken gebunden
pseudo Lieben und glückliche Ehen
passen zu mir

wartend in den ruhenden Wassern des Lebens
meine Neugierde ist
wie die Direktorenkinder die Klassen zu bestehen
und in meiner Nase zu bohren
und Arztsein spielen

ihr habt euch geirrt, seit langem bin ich allein.


Mai 1989

Überzetzung: Sezer Duru